# Cognitive Walkthrough

Zweck
Usability-Probleme aufzeigen und Schweregrad identifizieren
Zeitaufwand
Abhängig vom Umfang der Anwendung, min. 1 PT
Beteiligte
ca. 3-5 Personen mit UX/Usability-Expertise
Erfahrungsstufe
Experte
Beispiel einer Person während eines Cognitive Walkthrough

# Zusammenfassung

Bei Cognitive Walkthrough evaluiert ein Usability-Experte das interaktive Systems aus Nutzersicht, indem er sich in die Rolle eines Nutzers versetzt. Dabei führt er konkrete Aufgaben mit dem interaktiven System durch und prüft dabei die Erfüllung der Usability-Kriterien aus der Sicht einer Persona: Kann die Aufgabe ohne Umwege zufriedenstellend erledigt werden? Gibt die interaktive Anwendung ausreichend Hinweise und Feedback um Fortschritt und nächste Schritte zu erkennen?

Allgemein gibt eine Inspektion durch Experten - neben dem Cognitive Walkthrough etwa auch die Heuristische Evaluation - Feedback, wie ein Produkt oder eine Konzeptidee optimiert werden können. Expertenreviews allgemein sind besonders deswegen hilfreich, weil Usability-Experten aus der Erfahrung mit vielen verschiedenen Anwendungen heraus auch Lösungen für schwierige Design-Probleme vorschlagen können. Eine Inspektion durch Experten bietet sich besonders an, wenn ein bereits existierendes Produkt verbessert werden soll oder bereits Konzepte für ein neues Produkt vorliegen, die man aber noch nicht mit Endanwendern testen möchte.

# Ergebnis

Eine priorisierte und gewichtete Liste von Schwachstellen und Usability-Problemen des untersuchten Systems sowie ggf. Verbesserungsvorschläge.

# Vorgehen

Im Vorfeld eines Cognitive Walkthrough müssen die Usability-Experten und der zu untersuchende Teil des interaktiven Systems ausgewählt werden. Falls vorhanden: Welche Nutzungsszenarien sollen aus der Perspektive welcher Persona evaluiert werden? Es müssen Aufgaben und Teilaufgaben für die Evaluation festgelegt werden.

Die Evaluation führt jeder Usability-Experte selbstständig durch und arbeitet dabei die definierten Aufgaben ab. Dabei wird darauf geachtet und dokumentiert, ob es dabei zu Usability-Problemen kommt.

Die Auswertung des Cognitive Walkthrough können die Usability-Experten in einem gemeinsamen Workshop vornehmen, dabei sämtliche gefundenen Schwachstellen auflisten, hinsichtlich der Schwere klassifizieren und dann priorisieren. Darauf aufbauend können ggf. Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden.

# Einsatzzeitpunkt

Diese Methode kann sowohl auf fertige Anwendungen als auch auf Prototypen angewendet werden.

# Hilfsmittel und Templates

Zur Dokumentation: Foto-/Videokamera oder Tonaufnahmegerät und/oder Screencast-Software

# Vorteile

Diese Methode ist bereits in einem frühen Entwicklungsstadium einsetzbar und bietet einen geringeren Aufwand gegenüber einer Evaluation mit Vertretern der Nutzergruppe. Durch die detaillierte Beschreibung und das vollständige Durchdenken durch einen Experten ist eine hohe Transparenz gegeben. Außerdem sind Verbesserungsvorschläge leicht ableitbar. Ein Cognitive Walkthrough identifiziert Probleme, die bei der Erstbenutzung eines interaktiven Systems auftreten können.

# Nachteile

Die Qualität der Ergebnisse ist stark von der Expertise des Usability-Experten abhängig und die gefundenen Probleme sind nicht unbedingt relevant für den realen Nutzungskontext. Selbst für einen Experten ist es schwierig, die Anwendung aus der Nutzersicht zu evaluieren und sein Vorwissen auszublenden. Der Cognitive Walkthrough ist aufwändiger als die Heuristische Evaluation.

# Wichtige Hinweise

Bei dieser Methode sollte ausreichend Zeit in die Ausarbeitung der Aufgaben investiert werden, um tatsächliche Benutzerbedürfnisse zu überprüfen.

# Quellen