# User Boards
- Zweck
- Interviewerkenntnisse dokumentieren
- Zeitaufwand
- 30 Minuten bis 60 Minuten pro Board
- Beteiligte
- User Researcher, Note-Taker
- Erfahrungsstufe
- Experte
# Zusammenfassung
Ein User Board ist eine Zusammenfassung aller Erkenntnisse, die während eines einzelnen Interviews gesammelt wurden. Es hilft dabei, die Aussagen und Beobachtungen aus Nutzerinterviews in strukturierte und aussagekräftige Ergebnisse umzuwandeln.
Es enthält alles, was nützlich ist, um die gesamte Situation und die Bedürfnisse der Nutzer zu verstehen – typische Kategorien sind z.B.:
- Zitate
- Bedürfnisse (needs)
- Probleme (pain points)
- Bilder und screenshots
Jeder Teilnehmer eines Interviews bekommt ein eigenes User Board. Die Erstellung erfolgt direkt nach der Datenerhebung, damit die Informationen noch frisch und präzise sind. Um die Anonymität zu gewährleisten, werden alle persönlichen Informationen der Teilnehmer direkt danach gelöscht.
# Ergebnis
Eine strukturierte Zusammenfassung der Erkenntnisse aus einem Nutzerinterview. Als Grundlage für eine Analyse (Clustering, Affinity Mapping) gewährleisten die Boards Nachvollziehbarkeit der Erkenntnisse und abgeleiteter Anforderungen. Die Boards sind mit einem Nutzercode versehen, um die Teilnehmenden zu anonymisieren und die Vertraulichkeit der Aussagen zu gewährleisten.
# Vorgehen
Vorbedingung: Jedes User Board wird direkt nach der Datenerhebung erstellt, wenn die Erinnerungen noch frisch sind, damit keine wichtigen Aussagen oder Beobachtungen verloren gehen, die während des Interviews vielleicht nicht notiert wurden.
Grobe Anonymisierung: Definiere Nutzercodes für deine User Boards, um die Anonymisierung der Teilnehmenden zu gewährleisten. Diese kann aus Buchstaben, Zahlen und Symbolen bestehen. Es ist sinnvoll, die Kodierung einfach zu halten, um ein späteres Clustering auf den ersten Blick nachvollziehbar zu halten.
Kategorisierung: Erstelle passende Kategorien, in die du deine Interview-Notizen gruppieren möchtest. Z.B. Positives, Negatives, Überraschendes, Sonstiges. Jede Kategorie bekommt eine andere Post-it Farbe.
Strukturierung der Notizen: Nimm deine Interviewnotizen zur Hand und strukturiere sie. Jede Informationseinheit wird auf ein einzelnes Post-it geschrieben, was eine einfache Gruppierung in den nachfolgenden Phasen ermöglicht. Versuche dabei, so nah wie möglich an der ursprünglichen Formulierung der Teilnehmenden zu bleiben wie möglich. Damit wird sicher gestellt, die Informationen nicht zu früh in eine möglicherweise falsche Richtung zu interpretieren.
- Jede Post-it Notiz ist in einer entsprechenden Kategorie eingefärbt.
- Auf jeder Post-it Notiz steht Nutzercode.
- Keine Post-it Notiz lässt auf die Person schließen, von der die Aussage stammt.
Repräsentatives Zitat: Schreibe ein Zitat oben auf das User Board, welches die allgemeine Haltung des Teilnehmenden bezüglich des Interviewthemas widerspiegelt.
Detaillierte Anonymisierung: Kritische Äußerungen, die in Kombination mit anderen Äußerungen auf dem User Board möglicherweise die Identität der Teilnehmenden preisgeben könnten, werden separat gesammelt. Diese Sammlung fasst alle kritischen Aussagen aus verschiedenen User Boards zusammen, und im Gegensatz zu den anderen Tafeln sind die Post-it-Zettel auf dieser Tafel nicht mit einem Nutzercode versehen.
Löschung persönlicher Daten: Alle Informationen, die direkt auf die Teilnehmenden zurückzuführen sind, werden direkt nach der Erstellung des User Boards gelöscht. Dazu gehören vor allem die Namen der Teilnehmenden.
Affinity Mapping: Die Post-it's aus allen User Boards werden dupliziert und auf einem (digitalen) Whiteboard zusammengeführt und geclustert. Dadurch wird sichtbar, wie viele Teilnehmer ähnliche Aussagen oder Probleme hatten.
# Einsatzzeitpunkt
User Boards eignen sich besonders gut nach qualitativen Interviews, um die erhobenen Daten strukturiert aufzubereiten und für die weitere Analyse nutzbar zu machen. Der ideale Einsatzzeitpunkt ist:
- Direkt nach der Datenerhebung
- Vor der Durchführung eines Affinity Mappings oder einer Clustering-Analyse
- In frühen Projektphasen, um Nutzeranforderungen und Problemfelder zu identifizieren
# Hilfsmittel und Templates
- Whiteboard oder digitales Kollaborationstool (z. B. Conceptboard)
- Post-its in unterschiedlichen Farben
- Marker/Stifte
# Vorteile
- Strukturierung: User Boards helfen dabei, Interviews systematisch und effizient auszuwerten. Gerade wenn viele Interviews geführt werden und eine große Menge an Daten zusammenkommt, bewahren die Boards die Übersichtlichkeit.
- Überblick: Die wichtigsten Aussagen und Erkenntnisse werden auf einen Blick sichtbar.
- Nachvollziehbarkeit: Die Verwendung von Codes ermöglicht es, die Quelle einer Aussage zurückzuverfolgen, ohne die Anonymität zu verletzen.
- Einfache Weiterverarbeitung: Die Post-it's lassen sich leicht duplizieren und für Affinity Mapping oder Clustering verwenden.
- Flexibilität: Die Struktur des Boards kann je nach Forschungskontext und Projektbedarf angepasst werden.
# Nachteile
- Zeitaufwand: Die Erstellung der Boards direkt nach den Interviews erfordert nicht mehr Zeit und Ressourcen als eine andere Art der Nachbereitung. Die Vorbereitung der Boards jedoch schon: Die Nutzercodes und die Kategorien müssen vorbereitet werden.
- Verzerrung durch Interviewer: Wenn der Interviewer die Aussagen falsch interpretiert, könnten die Ergebnisse verfälscht werden.
- Dokumentation: Eine Dokumentation auf einem (digitalen) Whiteboard, statt einem PDF- oder Excel-Dokument ist eher ungewöhnlich. Diese Art der Dokumentation sollte mit dem Auftraggeber abgestimmt sein, sonst fällt doppelter Dokumentationsaufwand an.
- Ohne ein nachfolgendes Clustering / Affinity Mapping macht die Aufbereitung von User Boards wenig Sinn.
# Wichtige Hinweise
Das User Board sollte direkt nach dem Interview erstellt werden, solange die Informationen noch frisch sind. Die Anonymisierung und Pseudonymisierung ist wichtig, um die Datenschutzrichtlinien einzuhalten. Die Codes müssen dabei konsistent verwendet werden, damit die Aussagen später klar zurückverfolgt werden können. Außerdem ist es hilfreich, die Post-its nach Farben oder Symbolen zu kategorisieren, um die spätere Analyse zu erleichtern. Zusätzlich kann ein Timer sinnvoll sein, um die Erstellung der User Boards effizient zu gestalten.
# Quellen
- Lazar, J., Feng, J. H., & Hochheiser, H. (2017). Research Methods in Human-Computer Interaction. Morgan Kaufmann. (Debriefing p. 216, What to Analyze p. 220-221, and How to Analyze p. 221-223).
- Kvale, S. (2008). Doing Interviews [E-book]. SAGE Publications. (S. 56).
- Courage, C., & Baxter, K. (2005). Understanding Your Users: A Practical Guide to User Requirements Methods, Tools, and Techniques. In Elsevier eBooks. https://doi.org/10.1016/b978-1-55860-935-8.x5029-5 (opens new window).