# Kreieren
Mittels Kreativmethoden passende Lösungsideen finden.
# Zusammenfassung
In dieser Phase werden die Nutzungsanforderungen aus der Definieren Phase in Lösungsideen überführt. Dazu kommen Kreativmethoden zum Einsatz. Am Übergang zur nächsten Phase (Gestalten) werden einzelne Ideen prototypisch umgesetzt und evaluiert, um die am Besten geeignete Gestaltungslösung zu finden. Diese wird dann in der Gestalten Phase detailliert ausgearbeitet.
TL;DR — KI in dieser Phase: KI öffnet in der Ideation die Breite — sie bereitet Workshops vor, erzeugt viele Ideenvarianten parallel, strukturiert sie und liefert Bewertungsimpulse. Sie ersetzt jedoch nicht die kollaborative Auseinandersetzung im Team und erzeugt keine grundlegend neuen Ideen; Auswahl, Priorisierung und Bezug zum echten Nutzerproblem bleiben menschliche Aufgaben.
# Ergebnis
Eine angemessene Lösung für das Problem und die Anforderungen der Anwender.
# Fragen, die in dieser Phase beantwortet werden
- Wie lassen sich die Anforderungen der Anwender lösen?
# Mehrwert & Einsatzmöglichkeiten von KI
# Workshops und Übergänge vorbereiten
- KI schlägt Workshop-Abläufe, Agenda-Varianten, Moderationsleitfäden und vorbereitende Arbeitsmaterialien vor, die auf Ziel, Teilnehmendenkreis und verfügbare Zeit zugeschnitten sind.
- Sie macht Denk- und Prozesslücken sichtbar, indem sie Abläufe, Workflows oder Workshop-Pläne kritisch gegenliest, fehlende Schritte identifiziert und blinde Flecken adressiert.
- Sie überführt Erkenntnisse aus der Definieren Phase in erste Lösungsansätze, indem sie Ideen aus Pain Points, Anforderungen oder Hypothesen ableitet und so den Übergang vom Problem- in den Lösungsraum erleichtert.
# Ideen explorativ erzeugen
- KI dient als explorativer Sparringspartner, schlägt erste Ideen vor, erzeugt Varianten und generiert bewusst viele Alternativen („Variant Explosion"), inklusive ungewöhnlicher Kombinationen außerhalb naheliegender Denkmuster.
- Besonderer Mehrwert entsteht, wenn KI nicht auf eine Richtung „optimiert", sondern mehrere Lösungsrichtungen parallel öffnet und damit Inspiration und Breite fördert.
# Ideen strukturieren und kritisch hinterfragen
- KI liefert erste Hinweise zur Einordnung und Vorauswahl, indem sie Ideen vergleicht, Ähnlichkeiten identifiziert oder auf mögliche Relevanz, Machbarkeit oder Redundanz hinweist.
- Sie clustert Vorschläge, gruppiert sie thematisch und macht Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Lösungsansätzen sichtbar, was die Orientierung in einer großen Ideenmenge erleichtert.
- KI macht Ideen verständlicher, indem sie sie strukturiert, verdichtet oder visualisiert, und fördert dadurch Diskussion und Partizipation, weil Ideen schneller zugänglich und vergleichbar werden.
- Sie hilft, die eigene Perspektive systematisch herauszufordern, alternative Framings zu explorieren und Widersprüche oder unerwartete Zusammenhänge zwischen Annahmen, Anforderungen und Ideen zu markieren.
# Bewerten, einordnen und iterieren
- KI bringt verschiedene Perspektiven in die Bewertung ein, etwa durch Rollenspiele (Stakeholder-Perspektiven, „Six Thinking Hats") oder durch die Gegenüberstellung unterschiedlicher Betrachtungsweisen.
- Als „neutraler Dritter" kann KI Bewertungskriterien vorschlagen und auf blinde Flecken hinweisen — Voraussetzung ist, dass die Bewertungskriterien klar im jeweiligen Kontext verankert und explizit formuliert sind.
- KI unterstützt die iterative Weiterentwicklung von Ideen durch Kombinieren, Verfeinern und Anpassen auf Basis von Feedback oder neuen Erkenntnissen.
- Sie hilft bei der Kontextualisierung, indem sie Lösungsansätze in Bezug auf Nutzerbedürfnisse, Geschäftsziele oder technische Rahmenbedingungen einordnet und so Relevanz und Anschlussfähigkeit sichtbar macht.
# Risiken beim Einsatz von KI
# Tempo überfordert Reflexion und Entscheidungen
- Durch die schnelle Generierung und Iteration von Ideen entsteht leicht ein „Rapid-Prototyping-Modus", in dem zusätzliche Funktionen oder Varianten ohne klare Begründung ergänzt werden — das führt zu einer Überfrachtung von Lösungen und untergräbt die konsequente Ausrichtung auf reale Nutzerbedarfe.
- Die Geschwindigkeit der Ideenerzeugung erhöht den kognitiven Druck auf Product Owner und UX-Verantwortliche und erschwert es, innezuhalten und grundsätzliche Fragen zu reflektieren — etwa, ob das richtige Problem adressiert wird oder ob die Ideation bereits von ursprünglichen Zielsetzungen abweicht.
- Klassische Entscheidungs- und Abstimmungsmodelle (z.B. „Proxy Product Owner") stoßen an Grenzen, wenn kontinuierlich neue Varianten entstehen und schnelle Entscheidungen erforderlich sind — das führt zu Verzögerungen durch Klärungsbedarf oder zu unstrukturierten und inkonsistenten Entscheidungen.
# Zusammenarbeit und Akzeptanz leiden
- Erfolgt Ideation verstärkt individuell mit KI-Unterstützung, kommen Teams seltener zusammen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln und zu diskutieren — ein gemeinsames Problemverständnis kann verloren gehen und die Abstimmung im Team wird erschwert.
- Reduzierte gemeinsame Auseinandersetzung verringert die Akzeptanz der Ergebnisse: Die Identifikation der Beteiligten mit den entwickelten Lösungen sinkt, vor allem wenn diese maßgeblich durch KI generiert wurden.
# Begrenzte Originalität und Sycophancy
- KI erzeugt keine grundsätzlich neuen Ideen im Sinne originärer Innovation, sondern basiert auf bestehenden Mustern und Trainingsdaten — die Vorschläge sind häufig plausibel, aber inkrementell, und Teams bewegen sich leicht innerhalb eines bestehenden Denkrahmens, statt diesen aktiv zu durchbrechen.
- Bei der Bewertung von Ideen besteht die Gefahr, dass KI Vorschläge übermäßig bestätigend einordnet und dadurch ein verzerrtes Bild von Qualität und Tragfähigkeit erzeugt (Sycophancy).
# Leitplanken für den Einsatz von KI
# KI als Werkzeug — Verantwortung bleibt beim Team
- Der Einsatz von KI sollte sich auf die Unterstützung der Ideenentwicklung und -strukturierung konzentrieren; Auswahl, Priorisierung und Weiterentwicklung von Ideen verbleiben beim Team.
- KI-generierte Vorschläge sind ein Ausgangspunkt für weitere Exploration — sie basieren auf bestehenden Mustern und müssen gezielt hinterfragt und weiterentwickelt, statt direkt übernommen werden.
- Verantwortlichkeiten im Entscheidungsprozess müssen klar definiert bleiben: Es ist nachvollziehbar festzuhalten, wer Entscheidungen trifft und auf welcher Grundlage — damit Ideen bewusst durch das Team verantwortet werden und nicht implizit durch KI-Vorschläge.
# Fokus auf Nutzerproblem halten
- Ideation-Aktivitäten sollen weiterhin klar an den zuvor identifizierten Nutzerbedürfnissen und Problemstellungen ausgerichtet sein; KI-generierte Erweiterungen oder Zusatzfunktionen werden nur dann berücksichtigt, wenn sie einen nachvollziehbaren Beitrag zur Lösung des eigentlichen Problems leisten.
- Die Geschwindigkeit der Ideenentwicklung erfordert bewusst eingeplante Reflexionsphasen, in denen Teams überprüfen, ob die entwickelten Ideen weiterhin auf das ursprüngliche Problem ausgerichtet sind und ob die zugrunde liegenden Annahmen noch gelten.
# Strukturierung, Bewertung und Kollaboration absichern
- Die Generierung großer Mengen an Ideen muss durch Strukturierungs- und Entscheidungsmechanismen begleitet werden: Ideen werden nicht nur gesammelt, sondern systematisch geclustert, bewertet und eingeordnet — auf Basis klarer Kriterien und Bewertungslogiken.
- Die kollaborative Auseinandersetzung im Team bleibt erhalten: Gemeinsame Diskussion, Reflexion und Priorisierung sind zentrale Bestandteile der Ideation-Phase, und KI wird als unterstützendes Werkzeug innerhalb kollaborativer Formate eingesetzt, nicht als deren Ersatz.
# Quellen
- Kohler T. (2025) 7 Deadly AI Sins for UX Professionals (opens new window)
- Liu F., Zhang M., Budiu R. (2023) AI as a UX Assistant (opens new window)
- Lu, Y., Yang Y., Zhao Q., Zhang C., Li T.J-J. (2024) AI Assistance for UX: A Literature Review Through Human-Centered AI (opens new window)
# Hinweis zur Nutzung von KI
Teile dieses Inhalts wurden unter Nutzung von KI-gestützten Tools (insbesondere M365 Copilot) erstellt. Die Ergebnisse wurden durch die Autorin geprüft, überarbeitet und kontextuell eingeordnet. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft oder unvollständig sein und wurden daher nicht ungeprüft übernommen.
Zuletzt aktualisiert 25.05.2026